

Nicotinum Ph.Eur.4, Nikotin;
1-Methyl-2-(beta-pyridyl)-pyrrolidin; C10H14N2, Mr 162.23. D. 1.014-1.015. Sdp. 246.7 °C. [alpha]20°CD -169°. Alkaloid aus den Blättern von Nicotiana tabacum; farblose, an der Luft sich bräunende, leicht bewegl. u. betäubend nach Tabak riechende Flüss.; sehr leicht lösl. in Wasser, Ethanol, Ether, Chloroform, fetten Ölen.
N. wirkt auf vegetative Ganglien zuerst erregend durch Depolarisierung der postsynapt. Membran, bei längerer Einwirkung lähmend durch anhaltende Depolarisierung (Blockade). Die anfängl. nach Applikation von N. auftretende Blutdrucksteigerung kommt durch Erregung, der folgende Blutdruckabfall durch Blockade sympath. Ganglien zustande. Die durch N. ausgelöste Vasopressinausschüttung aus dem Hypophysenhinterlappen ist ein weiterer Grund für die Blutdruckanhebung. Durch Beeinflussung parasympath. Ganglien lassen sich die zunächst auftretende Anregung der Darmtätigkeit u. die folgende Atonie erklären. Die Elimination erfolgt rasch; HWZ 0.7-1.8 h;
Tabakentwöhnung (Raucherentwöhnung) als Kaugummi od. als Pflaster (s. Systeme, transdermale therapeutische); techn.: Schädlingsbekämpfung (Tabakbrühen);
N. ist sehr giftig, es wird auch rasch über Haut u. Schleimhäute resorbiert! LD ca. 1 mg/kg KG. Diese Menge ist in ca. 4-6 Zigaretten od. einer Zigarre enthalten;
Kreislaufkollaps, Erbrechen, Durchfälle, Krämpfe, Atemlähmung. Beim Rauchen wird nur ein Teil des im Tabak enthaltenen N. aufgenommen. Chron. Nicotinzufuhr erhöht das Risiko einer koronaren Herzerkrankung. Erkrankungen der Arterien u. der unteren Extremitäten können durch N. verstärkt werden u. zu Durchblutungsstörungen führen (sog. Raucherbein). Ebenso führt man die bei Rauchern vermehrt auftretenden Magen- u. Zwölffingerdarmgeschwüre auf die Nicotinwirk. zurück.
Nicotini resinas Ph.Eur.4; ein Komplex von Nicotin mit einem schwachen Kationenaustauscher; kann Glycerol enthalten. Weißes bis schwach gelbl. Pulver, fast unlösl. in Wasser.

Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch
(© Verlag Walter de Gruyter)