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Aktuelles Stichwort aus dem neuen Pschyrembel® Pflege

Injektion

(engl.) injection; Einspritzung;

Definition

Verabreichung (Applikation) von gelösten oder suspendierten Arzneimitteln oder Stoffen in den Körper auf parenteralem Weg mit Hilfe einer Spritze und einer Kanüle unter Verletzung der intakten Hautoberfläche;
im Unterschied zur Infusion erfolgt eine relativ schnelle Aufnahme der Wirkstoffe. Injektionen werden je nach Indikation, Medikament und Applikationstechnik von Ärzten und auf ärztliche Anordnung von Mitgliedern der Gesundheitsfachberufe (z. B. Pflegefachkräfte, Pflegehilfskräfte, (Zahn-)Medizinische Fachangestellte), Angehörigen oder Patienten selbst durchgeführt.


Formen

Injektionsformen


 
Bezeichnung Abk. Applikationsort

 
epidural, auch peridural - Epidural-/Periduralraum: Spalt zwischen der Knochenhaut (Periost) des Wirbelkanals und der zum Rückenmark gehörenden harten Hirnhaut (Dura mater)
     
intraarteriell i. a. Arterien
     
intraartikulär - Gelenk
     
intradermal i. d. Haut (Kutis); umfasst Ober- (Epidermis) und Lederhaut (Dermis)
     
intrakardial - Herz
     
intrakutan i. c. Haut
     
intralumbal - Wirbelkanal des Lendenbereichs
     
intrathekal, auch intradural - Liquorraum des Duralsacks
     
intramuskulär i. m. Muskel
 
intraperitoneal i. p. Bauchhöhle
     
intravenös i. v. Vene
 
periartikulär - Gelenkumgebung
 
subkutan s. c. unter der Kutis

 

Die Applikation sollte grundsätzlich in gesundes, gut durchblutetes Gewebe, nicht in Schwellungen (Ödeme), Blutergüsse (Hämatome), gelähmte Extremitäten oder zu operierende oder infizierte Körpergebiete erfolgen. Die Applikationsform muss auf Alter, Körperlänge, Gewicht, Kreislaufsituation, erforderliche Wirkungsgeschwindigkeit und -dauer abgestimmt sein.


Häufig durchgeführte Injektionen

Von Pflegekräften, geschulten Patienten oder Angehörigen (sorgfältige Risikoabwägung erforderlich) werden folgende Injektionen häufig durchgeführt:

1. subkutane Injektion (Abk. s. c.):

Injektion isotonischer, wässriger Lösung in die Unterhaut (Subkutis); z. B. Insulin, Heparin, Analgetika;

Durchführung:

Festlegung des Applikationsortes (je nach Wirkstoff Außenseite Oberarm, Vorderseite Oberschenkel, Bauchhaut zwischen Nabel und Crista iliaca), Injektion in angehobene Hautfalte (Technik abhängig von Kanülenlänge und Substanz, Herstellerhinweise und Hausstandards bei der Vorbereitung beachten), Applikationsorte regelmäßig wechseln, um Hämatombildung zu vermeiden (Abbildung  1);

Abb. 1: Injektionsstellen in Bauch und Oberschenkel zur subkutanen Insulininjektion. Jede Injektionsstelle sollte ca. 2 cm von der vorherigen entfernt liegen.

Hinweis

Eine Insulininjektion nicht am Oberarm ausführen, da versehentlich eine i. m. Injektion durch unregelmäßig dicke subkutane Schicht erfolgen kann und die Insulinresorption nicht kalkulierbar ist.


2. intramuskuläre Injektion (Abk. i. m.):

z. B. Impfstoffe, Antibiotika, Hormonpräparate, Depotpräparate; kann mit sog. Spritzenschein ausgeführt werden; Applikationsorte: vorzugsweise ventroglutäal (nach Hochstetter), in Ausnahmefällen (Lagerungsprobleme, Adipositas u. a.) auch seitlicher Oberschenkel, Musculus vastus lateralis (Abbildung  2), bei Kindern und abgemagerten (kachektischen) Patienten intraglutäal nach der sog. Crista-Methode (von Sachtleben);

Abb. 2: 1: intramuskuläre Injektion nach Hochstetter (ventroglutäal); 2: Injektion in den Musculus vastus lateralis

Durchführung:

Abklären, ob Antikoagulanzientherapie besteht (Risiko der Hämatombildung); Vorbereitung, Wahl des Applikationsortes und der Kanülenlänge abhängig von Körpergewicht und Wirkstoff (keine öligen Substanzen in Oberschenkel applizieren aufgrund der Gefahr der Gewebeschädigung/Abszessbildung); Injektionstechnik: tiefmuskulär nach hauseigenen Standards und Herstellerangaben; pflegewissenschaftlich wird zusätzlich die sog. Air-Bubble-Technik zur Schmerzreduktion empfohlen (L. MacGabhann, 1996), nach der beim Aufziehen der Injektionsflüssigkeit eine kleine Luftblase in Kanüle und Spritze belassen wird, die im Muskel einen Filter zwischen Medikament und Gewebe darstellt und entlang der Nadel einem Eindringen (Rückfluss) in subkutanes Gewebe vorbeugt. Deutschsprachige Pflegestudien zur Fortentwicklung und Evaluierung der einzelnen Injektionstechniken liegen bisher nicht vor. Komplikationen

a) Spritzenabszess durch eindringende Keime, meist Staphylokokken (selten anaerobe Clostridien), Serumhepatitis als Folge mangelnder oder unsachgemäßer Asepsis, Nekrosen durch von Wirkstoffen verursachte Gewebeschäden und versehentlich subkutane Applikation; 
b) schmerzhafte Nervenpunktion mit Missempfindungen (Parästhesien), ggf. irreversible Lähmungen; 
c) Gefäßpunktion, selten versehentliche arterielle Fehlinjektion mit Nicolau-Syndrom (ca. 20 Minuten nach erfolgter Injektion im Bereich der Einspritzstelle heftige ausstrahlende Schmerzen, Rötung, Schwellung, später kann es zu blassbläulicher, marmorierter Hautverfärbung und Nekrosen kommen bis hin zu Schock und Blutungen aufgrund von Blutgerinnungsstörungen); 
d) versehentliche intravenöse Fehlinjektion von Depotpenicillin, sog. Hoigné-Syndrom (Mikroembolien der Lunge und toxische Reaktionen im Gehirn mit Parästhesien an Extremitäten, abnormen Geschmacksempfindungen, Husten, Zyanose, Bewusstseinsstörung, hochgradiger Erregung mit Todesangst, akustischen und optischen Halluzinationen; beginnt wenige Minuten nach Injektion und kann mehrere Stunden anhalten, in schwersten Fällen auch zum Tod führen). 

Maßnahme

Maßnahmen: Sofortige Benachrichtigung des diensthabenden Arztes mit Angabe der Medikation; Notfallmaßnahmen (Schockbehandlung, Reanimation) einplanen, Notfallbesteck und -geräte bis zum Eintreffen des Arztes bereitstellen.


Organisation

Neben den gängigen Injektionsstandards berufsgruppenübergreifend Checklisten mit Sofort- und Gegenmaßnahmen für im Haus verwendete Arzneimittel entwickeln.


Recht

Die Anordnungsverantwortung trägt der behandelnde Arzt, die Durchführungsverantwortung die examinierte Pflegefachkraft. Die Rechtsprechung bezüglich der Haftung bei Komplikationen ist widersprüchlich, sorgfältige Dokumentation im Regressfall zur Absicherung für alle an Injektionen beteiligten Berufsgruppen wichtig.


Hinweis

Kanülen gehören unmittelbar nach der Injektion in einen sicheren Kanülenabwurfbehälter. Das Zurückstecken der Schutzkappe auf die Kanüle (sog. recapping) ist unzulässig, da es ein hohes Verletzungs- und damit Infektionsrisiko (Patient als möglicher Infektionsträger) birgt.


Weiterführende Artikel

Anordnung, ärztliche, Anti-D-Prophylaxe, Applikation, Asepsis, Behandlungspflege, Crista-Methode, Durchführungsverantwortung, Einstichstelle, Fertigspritze, Flüssigkeitsbilanzierung, Hygiene, Hämatom, Infusion, intrakutan, intramuskulär, intravenös, parenteral, Pen, Punktion, Quaddel, Spritze, Spritzenschein, subkutan

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